
Svartifoss und Diamond Beach: Basaltsäulen, waagerechter Regen und labberige Pommes
Du kennst das bestimmt, wenn Island deine Pläne einfach wegweht. Statt Gletschertour gab es bei uns waagerechten Regen und Montagsmaler an beschlagenen Autoscheiben. Warum der Tag zwischen Basaltsäulen, funkelnden Eisbrocken und labberigen Pommes trotzdem genau richtig war, erfährst du hier.
Tja, da sind wir aber ordentlich ins Wasser gefallen. Oder das Wasser auf uns – und irgendwie verhagelt uns der Sturm ordentlich die Stimmung. Aber Spaß beiseite und Schluss mit den Wettermetaphern.
Eigentlich wollen wir heute über den Svinafellsjökull Gletscher laufen, die Tour haben wir bereits von zu Hause aus gebucht. Ärgerlicherweise erhalten wir aber am Vortag eine Absage: Der Sturm ist zu stark, der Gletscher damit zu gefährlich. Ein wichtiger Tipp, falls dich auch mal so eine Nachricht erreicht: Lass dich nicht entmutigen. Wir müssen beim Anbieter Icelandic Mountain Guides explizit nach einem Ersatztermin fragen, sonst hätte man uns wohl sprichwörtlich im Regen stehen lassen. Glücklicherweise klappt die Umbuchung per SMS und E-Mail für den darauffolgenden Tag dann doch recht zügig.
Plan B: Zwischen Brückenruinen und beschlagenen Scheiben
Aber was machen wir nun mit einem verregneten „freien“ Tag? Wir lassen uns die Laune nicht verderben und setzen auf kleine Highlights. Zuerst steigen wir in unseren Toyota und fahren bei Regen und heftigem Wind Richtung Vatnajökull Nationalpark, immer in der Hoffnung, dass der Himmel doch noch aufreißt.
Auf dem Weg machen wir einen kurzen Stopp an der Skeiðarársandur Brücke. Von dem einstigen Bauwerk sind nur noch verbogene Stahlträger als Monument der Naturgewalt übrig. Selbst wenn es dort Infotafeln gibt – wir sehen sie kaum, denn der Regen prasselt quasi waagerecht auf uns ein. Wir springen nur kurz für ein paar Fotos aus dem Wagen und lesen uns die Hintergründe zur Zerstörung der Brücke später im geschützten Auto an.
Am Parkplatz des Nationalparks angekommen, heißt es erst einmal: Abwarten. Wir sitzen im Auto, während draußen die Welt untergeht. Um uns die Zeit zu vertreiben, spielen wir fast eine Stunde lang Montagsmaler und Hangman an den beschlagenen Scheiben. Ein echter Roadtrip-Moment. Als der Regen endlich in ein leichtes Nieseln übergeht, wagen wir den Aufstieg zum Svartifoss.
Basaltsäulen und Wandern mit Babybauch








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Der Svartifoss ist ein bekannter Wasserfall, was nicht zuletzt an den beeindruckenden Basaltsäulen liegt, die ihn wie eine geometrische Orgelpfeifen-Kulisse einrahmen. Der Weg dorthin bietet spektakuläre Ausblicke auf schneebedeckte Gipfel. Wenn sich die Wolken kurz lichten, gibt die Natur den Blick auf das weite Land frei: Die Flüsse ziehen sich wie silberne Adern durch den dunklen Boden und glänzen in der seltenen Sonne.
Wir sind in einer besonderen Konstellation unterwegs: Wir reisen zu viert, wobei meine Frau und die Freundin unseres Freundes beide schwanger sind. Island lässt sich auch mit Babybauch wunderbar bereisen, erfordert aber ein wenig mehr Umsicht. Die letzten 500 Meter zum Wasserfall sind durch die Nässe recht rutschig, da heißt es für die werdenden Mamas doppelt aufpassen. Insgesamt sind wir knapp drei Stunden für die 5,2 Kilometer lange Strecke unterwegs, bevor wir uns wieder aufwärmen.
Eisberge zum Mitnehmen: Der Diamond Beach




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Unser Tag ist aber noch nicht zu Ende. Wir entscheiden uns, den berühmten Diamond Beach zu besuchen. Hier werden die abgebrochenen Eisstücke des Gletschers vom Meer geschliffen und wie funkelnde Diamanten an den schwarzen Vulkansand gespült. Ein kleiner Budget-Tipp am Rande: Wir können unser Parkticket vom Vormittag auch hier nutzen und sparen uns so ein paar Euro in diesem recht teuren Reiseland. Das Bezahlen an den Automaten funktioniert übrigens überall unkompliziert kontaktlos mit dem Smartphone oder der Karte – Bargeld braucht man in Island praktisch nie.
Am Diamond Beach ist es diesig, kalt und nass, aber die Atmosphäre ist trotzdem magisch. Die teilweise metergroßen Eisblöcke spiegeln den schwarzen Sand in ihrem Inneren wider. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, haben wir in der Brandung sogar eine Seerobbe entdeckt. Es ist ein visuelles Highlight, das auch ohne den erhofften Sonnenuntergang absolut lohnenswert ist.
Kulinarische Tiefpunkte
Auf dem Rückweg halten wir zum Tanken und hoffen auf eine ordentliche Stärkung in einem der typischen Diner-Shops. Die Atmosphäre dort ist speziell – ein wenig billig, aber irgendwie auch charmant. Mein Burger ist allerdings ein echter „Foodie-Albtraum“: kaum Sauce, die Pommes eher labberig und geschmacklich leider kein würdiger Abschluss für diesen Tag.
Aber weißt du was? Auch das gehört zu einer authentischen Reise dazu. Es muss nicht immer das perfekte Dinner sein, wenn man stattdessen einen Tag voller rauer Natur und guter Freunde im Gepäck hat. Und so endet der dritte Tag unseres Island-Abenteuers – müde, ein bisschen nass, aber sehr glücklich.
Reisezeitraum: Vom 21.02.2025 bis zum 02.03.2025, Tag 3 (23.02.2025)