
Beim Biohof Hümme merken wir auf unserer Tour de Landvergnügen, wie wenig wir über Gemüse wissen
Du stehst mit dem Camper unter Apfelbäumen, kaufst im Hofladen auf Vertrauensbasis ein und stehst später im Gewächshaus vor Salat und Rucola. Und dann merkst du, wie wenig man manches erkennt, wenn es nicht fertig im Supermarktregal liegt.







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Nicht allzu weit weg von unserem letzten Hof wartet auf uns wieder etwas Neues auf dieser Tour de Landvergnügen: der Biohof Hümme. Der Betrieb arbeitet als solidarische Landwirtschaft. Heißt grob gesagt: Am Anfang des Jahres wird geschaut, was die Mitglieder der Gemeinschaft und die Direktkundinnen und Direktkunden brauchen. Danach wird das Land bestellt.
Neben dem Hof bewirtschaftet die Familie rund vier Hektar Fläche. Dort wachsen Kohl, Tomaten, Lauch, Rucola, Salate und noch einiges mehr. Vieles wird von Hand geerntet und direkt weitergegeben. Keine riesigen Umwege, keine langen Transportketten. Dafür ist manches natürlich etwas teurer als im Supermarkt. Aber man weiß eben auch deutlich besser, wo es herkommt.

SoLaWi als Begriff habe ich vorher schon mal gehört. Aber das Ganze vor Ort zu sehen, ist dann doch nochmal etwas anderes. Für mich ist es ein bisschen die bodenständige Variante von diesen Konzepten, bei denen man irgendwo einen Avocadobaum least und einmal im Jahr eine Kiste Avocados bekommt. Kann man machen. Mir ist diese Version hier irgendwie lieber.
Ankommen am Biohof Hümme


Wir kommen an, folgen den Schildern und stellen uns am Rand des Gartens unter drei junge Apfelbäume. Jung heißt in diesem Fall ungefähr zehn Jahre alt. Für uns sieht das schon ziemlich nach Baum aus, aber gut.
Der Platz fühlt sich sofort familiär an. Die Kinder der Familie toben in der Nähe unseres Campers, was überhaupt nicht stört. Eher im Gegenteil. Es passt zu diesem Ort.
Der Hof liegt in einem kleinen Dorf, in dem man das Gefühl hat, dass an der Straße fast nur Höfe stehen. Alles wirkt ein bisschen so, als wäre man ein paar Jahre zurückversetzt. Nicht künstlich auf alt gemacht, sondern eher in Sachen Architektur, Ruhe und Gelassenheit. Ein bisschen so, wie man sich als Kind vielleicht einen Bauernhof vorgestellt hat: nicht spezialisiert auf eine einzige Sache, sondern von allem ein bisschen.
Ein Hofladen, der nicht nach Corporate aussieht
Als Erstes gehen wir in den Hofladen. Und der ist für mich der eigentliche Kern dieses Stopps.
Der Laden ist klein, gut sortiert und wirkt trotzdem nicht durchgeplant. Keine perfekt ausgeleuchtete Hofladen-Inszenierung, kein Verkaufsraum, der schon nach Franchise riecht. Sondern eine kleine Hütte mit Bezahlung auf Vertrauensbasis. Sowas mögen wir.
Es gibt Gemüse, Eier, Eis, Soßen im Glas und auch ein paar Dinge, die nicht direkt vom Hof kommen. Bananen zum Beispiel. Oder Avocados. Gerade mit Emil sind Bananen unterwegs bei uns quasi Pflichtausstattung. Natürlich wachsen die nicht auf dem Feld nebenan. Wenn man zwei Sekunden darüber nachdenkt, kommen sie sogar ziemlich weit her. Trotzdem fühlt sich der Einkauf hier besser an als im Discounter. Nicht, weil alles romantischer ist. Sondern weil der Ort kleiner, direkter und handgemachter wirkt.
Wir nehmen Bananen, Avocados, Eis, Eier und eine Bolognese-Soße im Glas mit. So eine Soße kann man im Camper immer gebrauchen, wenn es mit dem Kochen mal wieder knapp wird.
Während wir uns umsehen, kommt der Landwirt selbst in den Laden. Er wirkt ein wenig gestresst, weil er gerade vom Mittagstisch aufgestanden ist, um Rucola zu holen. Die Begrüßung fällt entsprechend kurz aus, aber freundlich. Und gerade deshalb bleibt die Szene hängen. Das ist kein vorbereiteter Gastgeber-Moment. Das ist einfach Hofalltag.
Was man beim Stellplatz wissen sollte
Beim Biohof Hümme steht man autark. Es gibt keine Duschen und keine Toiletten. Das steht auch so in der Landvergnügen App, man weiß also vorher, worauf man sich einlässt.
Bargeld sollte man ebenfalls dabeihaben. Die Bezahlung im Hofladen läuft auf Vertrauensbasis, und ohne Bargeld wird es schwierig. Wir hatten extra genug dabei, weil wir bei solchen Höfen schon damit gerechnet haben.
Nach dem Einkauf machen wir erstmal nicht viel. Die Sonne fühlt sich fast schon sommerlich an, wäre da nicht dieser kalte Wind. Ich schreibe ein paar Notizen und Beiträge für meinen Blog vor. Stella legt sich mit Emil hinten aufs Bett und ruht sich aus.
In den letzten Tagen haben wir es kaum geschafft, gemeinsam mit Emil zu essen. Also ziehen wir das an diesem Abend bewusst etwas früher durch. Bei uns gibt es Cheeseburger mit Rindfleisch vom Gerkenhof Mertens und Brötchen von zu Hause. Emil bekommt natürlich etwas anderes.
Der Schnack mit dem Senior
Als wir satt sind und gerade aufräumen, kommt der Senior des Betriebs zu uns an den Platz. Wir kommen ins Gespräch, und genau dieser Schnack macht den Stopp für uns besonders.
Er erzählt, wie die Familie die vier Hektar bewirtschaftet, wie wenig Maschinen sie nutzt und wie viel hier noch per Hand passiert. Das bleibt bei mir hängen, weil wir am Vortag noch mit einem Landwirt über industrielle Erntemaschinen gesprochen haben. Beides ist Landwirtschaft. Aber es fühlt sich komplett anders an.
Wir sprechen über die Gegend, über die Arbeit auf dem Hof und darüber, wie die Hühner zum Bodenerhalt beitragen. Nichts daran wirkt wie eine Führung. Eher wie ein Gespräch, das sich einfach ergibt. Dazu kommt dieser nordische Akzent, den wir langsam immer stärker hören, je weiter wir nach Norden kommen. Das macht die ganze Sache für uns noch sympathischer.
Dann sagt er uns, dass wir uns die Äcker und Gewächshäuser gerne auf eigene Faust ansehen dürfen.
Das ist für uns nicht selbstverständlich. Wir laufen nicht einfach irgendwo über ein Hofgelände, nur weil es interessant aussieht. Wir fragen vorher. Nach dem Gespräch fühlt es sich aber genau richtig an, nochmal loszugehen.
Zwischen Gewächshaus, Salat und eigenen doofen Fragen






Ich gehe noch am selben Abend einmal allein über das Gelände. Am nächsten Morgen machen wir die Runde dann nochmal zusammen mit Stella und Emil.
Vor allem die Gewächshäuser bleiben hängen. Draußen ist es frisch, drinnen merkt man sofort den Temperaturunterschied. Zwischen den Reihen wachsen Salate und andere Pflanzen, sauber gesetzt, fast schon geometrisch. Für Fotos ist das natürlich dankbar. Diese Reihen haben so eine Ordnung, dass man kaum daran vorbeikommt.
Und gleichzeitig merkt man, wie weit man als normaler Supermarkt-Mensch von der eigentlichen Landwirtschaft weg ist.
Im Laden weiß man sofort, wie Brokkoli aussieht. Man kennt ihn gewaschen, sortiert und fertig in der Auslage. Aber wenn man dann vor Pflanzen auf dem Feld oder im Gewächshaus steht, ist man plötzlich nicht mehr so sicher. Ist das jetzt Brokkoli? Ist das Rucola? Oder doch etwas anderes?
Das sind vielleicht doofe Fragen. Aber genau deshalb sind sie gut. Man merkt, dass man vieles isst, aber wenig davon wirklich kennt.
Die Hühner laufen in ihren freien Bereichen herum. Auf dem Feld stehen die robusteren Pflanzen. In den Gewächshäusern wachsen Salate und Gemüse, und wir erfahren, dass dort bis zu vier Mal im Jahr unterschiedliche Sorten geerntet werden können. Wieder was gelernt.
Unser Eindruck vom Biohof Hümme
Der Biohof Hümme ist kein Stopp mit großem Programm. Es gibt keine Show und keine perfekte Hofladen-Kulisse.
Der Hofladen ist gut sortiert, aber nicht glattgebügelt. Der Stellplatz ist familiär, aber eben auch wirklich nah am Hofleben. Und das Gespräch mit dem Senior sorgt dafür, dass wir nicht nur einkaufen und übernachten, sondern ein bisschen besser verstehen, was hier jeden Tag gemacht wird.
Für uns ist es genau diese Mischung, die den Platz ausmacht: ein ehrlicher Hofladen, ein ruhiger Stellplatz unter Apfelbäumen und die Möglichkeit, sich die Gewächshäuser und Felder in Ruhe anzusehen.
Bargeld mitnehmen. Autark stehen können. Und vielleicht nicht so tun, als würde man jede Pflanze sofort erkennen. Dann passt der Biohof Hümme ziemlich gut.
Reisezeitraum: Vom 25.04.2026 bis zum 03.05.2026, Tag 4 (28.04.2026)
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