
Friðheimar in Island: Tomatensuppe im Schnee
Du fährst durch Schnee und stehst vor diesem Gewächshaus bei Flúðir, aus dem warmes Licht nach draußen fällt. Eigentlich geht’s nur um Tomatensuppe. Aber genau so ein Stopp kann in Island länger hängen bleiben, als man vorher denkt.






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Wir fahren auf einen verschneiten Parkplatz irgendwo in Island in der Nähe von Flúðir, steigen aus dem Auto und gehen durch ein kleines Holztor. In Holzlettern steht dort Friðheimar Restaurant. Die Farbe blättert schon ordentlich ab, aber irgendwie passt genau das in diese raue Welt.
Vom Parkplatz aus sieht man das Restaurant noch gar nicht. Erst laufen wir diesen kurzen Weg entlang, und genau das macht etwas mit dem Moment. Es schneit seit Stunden, alles ist kalt, grau und ungemütlich – und dann läuft man auf einmal auf dieses warme Licht zu, das aus dem Gewächshaus nach draußen strahlt. Es fühlt sich ein bisschen an, als würde man nach einer Wanderung irgendwo ankommen. Nicht spektakulär im klassischen Sinne, aber sofort gut.
Tomaten mitten im Winter
Unser Ziel ist klar: Wir wollen hier Tomatensuppe essen. Allein das ist in Island schon besonders genug, erst recht bei dem Wetter. Die Tomaten wachsen direkt hier im Gewächshaus, draußen fällt weiter Schnee, drinnen stehen Reihen um Reihen von Pflanzen in warmer Luft und unter diesem weichen Licht. Das hat schon etwas Merkwürdiges. Draußen versinkt alles im Winter, drinnen wachsen Tomaten.
Restaurant oder Bistro?
Eigentlich wollen wir direkt im Restaurant sitzen, also mitten an den Pflanzen. Vor Ort erfahren wir dann aber: Ohne Reservierung keine Chance. Dafür muss man wirklich vorab planen. Ein bisschen schade ist das schon, weil genau diese Erfahrung uns gereizt hat.
Dann bekommen wir aber den Hinweis, dass im Bistro noch Plätze frei sind. Also doch noch Glück gehabt.
Bevor wir rübergehen, laufen wir trotzdem erst einmal durch die Reihen der kleinen Cocktailtomaten. Wenn man schon mal da ist, will man diesen Ort auch kurz auf sich wirken lassen. Danach geht es wieder raus in den Schnee, einmal kurz durch die Kälte, unter einer Tanne entlang, und dann stehen wir schon am Bistro.
Das Gute daran: Man sitzt dort zwar nicht direkt an den Pflanzen, aber das Essen ist das gleiche. Wer also keinen Platz im Restaurant bekommt, muss nicht wieder umdrehen. Und ehrlich gesagt: Das Bistro ist ein richtig guter Lunch-Stopp. Es wirkt nicht wie die abgespeckte Notlösung, sondern eher wie eine ziemlich gelungene zweite Variante.
Eine bewusste Ausnahme in Island






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Wir haben in Island nicht ständig auf Atmosphäre oder besonders gutes Essen geachtet. Einfach auch, weil Essen dort teuer ist und wir deshalb oft eher pragmatisch unterwegs waren. Hauptsache satt, Hauptsache nicht zu teuer. Das war nicht immer besonders gut.
Genau deshalb bleibt dieser Stopp so hängen. Wir suchen ihn uns bewusst aus, also sind die Erwartungen automatisch höher. Und diesmal passt es dann eben auch wirklich.
Wir bestellen Tomatensuppe, Bruschetta und das hauseigene Brot und teilen uns alles, weil wir trotzdem nicht völlig eskalieren wollen, was die Kosten angeht. Die Suppe hat eine richtig angenehme Säure, das Kürbiskernöl macht optisch etwas her, aber auch geschmacklich, und zusammen mit dem fluffigen Brot ist das einfach verdammt gut. Dazu kommt der Service, der wirklich aufmerksam ist, ohne geschniegelt zu wirken.
Auch die Bruschetta bleibt im Kopf, weil sie den Tomatengeschmack noch einmal viel direkter auf den Tisch bringt. Ein bisschen Meersalz dazu, viel mehr braucht es dann auch nicht.
Ein Stopp, der im Kopf bleibt
Gerade in Island wundert man sich fast, dass ausgerechnet so ein Ort so hängenbleibt. Das Land ist voll mit Wasserfällen, Gletschern, schwarzen Stränden und Geysiren – und trotzdem denke ich an diese Tomatensuppe im warmen Gewächshaus zurück. Vielleicht auch, weil wir uns diesen Stopp ganz bewusst ausgesucht haben und er dann nicht enttäuscht hat. Eher im Gegenteil.
Für uns passt Friðheimar an dem Tag perfekt in die Route. Wir schauen uns davor die Geysire an und sind später noch in Selfoss unterwegs. Wenn man schon einige Stunden unterwegs ist, ist das Bistro genau die Art von Pause, die man brauchen kann.
Wenn mich heute jemand fragt, was man in Island unbedingt machen sollte, dann gehört Friðheimar für mich dazu – ob nun im Restaurant oder im Bistro. Klar, ein Platz direkt an den Pflanzen ist wahrscheinlich noch einmal spezieller. Aber ich hätte beim nächsten Mal überhaupt kein Problem damit, wieder im Bistro zu sitzen. Die Erfahrung funktioniert auch dort. Und genau das fand ich fast überraschend stark.
Reisezeitraum: Vom 21.02.2025 bis zum 02.03.2025, Tag 6 (26.02.2025)
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