
Wandern im Großen Torfmoor bei Porta Westfalica mit Holzstegen und Moorwegen
Du willst im Großen Torfmoor bei Lübbecke wandern? Hier liest du, wie unsere Runde mit Baby, Trage, Holzstegen und matschigen Wegen lief.







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Im April 2026 wagen wir uns zum ersten Mal an eine etwas längere Wanderung mit Emil. Unser Ziel ist das Große Torfmoor bei Lübbecke, nicht weit von Porta Westfalica entfernt. Der Himmel hängt voller Wolken, es ist kühl und wir ziehen uns lieber eine Schicht mehr an. Eigentlich genau das richtige Wetter für ein Moor.
Für Emil ist es ebenfalls eine kleine Premiere: Zum ersten Mal sitzt er über längere Zeit nach vorne gerichtet in der Trage. So kann er zumindest ziemlich gut beobachten, durch welche Landschaft wir ihn gerade schleppen.
Wandern im Großen Torfmoor
Wir parken am Besucherzentrum Moorhus und starten von dort unsere Runde. Schon nach kurzer Zeit wird die Landschaft karger und offener.
Besonders schön finde ich die kleinen Moorgewässer mit den wetterbeanspruchten Holzbohlen, dem dunklen Wasser und den rostfarbenen Sträuchern. Zusammen mit dem wolkenverhangenen Himmel sieht das plötzlich gar nicht mehr so sehr nach Ostwestfalen aus.
Mich erinnert die Landschaft ein wenig an das Hohe Venn in Belgien, stellenweise sogar an Island. Natürlich ohne Berge, Wasserfälle und die ganz große Dramatik. Es ist eher diese etwas schroffe Optik aus Holz, Wasser, Wind und gedeckten Farben.
Ich persönlich mag solche Landschaften fast lieber als ein Blumenmeer. Und wer gerne fotografiert, findet hier definitiv einige schöne Motive.
Unsere erste kleine Wanderkrise mit Baby
Ganz so idyllisch bleibt die Runde allerdings nicht.
Noch relativ früh wird Emil ziemlich nöckelig. Wir wechseln zwischen Mama und Papa, versuchen ihn abzulenken und überlegen irgendwann ernsthaft, wieder zurückzugehen.
Gleichzeitig wissen wir aber auch: Wenn wir jetzt umdrehen, ärgern wir uns wahrscheinlich später darüber.
Wandern mit Baby ist für uns eben auch noch neu. Emil muss sich daran gewöhnen, länger mit uns unterwegs zu sein – und wir daran, dass solche Ausflüge nicht mehr genauso funktionieren wie früher.
Irgendwann gewinnt zum Glück die Müdigkeit. Emil schläft ein und plötzlich können wir uns wieder etwas mehr auf die Natur und auf uns beide konzentrieren.
Picknick mit Käse und Waldboden
Später machen wir an einer Bank Pause und picknicken.
Emil darf ein bisschen selbst ausprobieren, was vor ihm liegt. Wir nehmen uns eigentlich vor, ihn möglichst viel machen zu lassen und die Welt auf seine Weise entdecken zu lassen.
In der Theorie klingt das ziemlich entspannt.
In der Praxis fühlt es sich dann doch erstaunlich falsch an, dabei zuzusehen, wie das eigene Baby lieber einen Stock in den Mund steckt, statt in das angebotene Stück Käse zu beißen. Ein bisschen Waldboden scheint ebenfalls interessant zu sein.
Vielleicht müssen wir bei solchen Ausflügen also genauso viel lernen wie er. Vor allem, an welchen Stellen man einfach mal loslassen kann.
Holzstege und federnder Moorboden
Zu meinen Lieblingsstellen auf der Route gehören die Holzstege. Sie passen einfach perfekt in diese Landschaft.
Noch interessanter fühlt sich allerdings der Boden selbst an. An einigen Stellen gibt er unter den Füßen regelrecht nach – ein bisschen wie Gummi oder Teig.
Kurz fühlt es sich fast an wie Treibsand.
Und da fragt man sich wieder, warum man als Kind eigentlich dachte, dass Treibsand im Erwachsenenleben ein deutlich größeres Problem darstellen würde.
Unterwegs nutzen wir außerdem die kostenlose Lauschtour-App für das Große Torfmoor. Die kurzen Beiträge können automatisch über GPS starten, sodass wir nicht ständig aufs Handy schauen müssen.
Bei mir bleibt vor allem hängen, wie wichtig Moore für das Klima sind und wie hart der Torfabbau früher gewesen sein muss. Selbst Kinder mussten wohl nach der Schule mithelfen.
Genau solche kleinen Geschichten machen die Runde für mich interessanter, weil man nicht einfach nur durch die Landschaft läuft, sondern auch versteht, was man dort eigentlich sieht.
Großes Torfmoor mit Kinderwagen oder Trage?
Wir lassen den Kinderwagen im Auto und nehmen nur die Trage mit.
Im Nachhinein wäre der Kinderwagen auf einem Großteil der Strecke wahrscheinlich problemlos möglich gewesen. Lediglich eine Passage ist bei unserem Besuch ziemlich matschig. Wenn es vorher viel geregnet hat, könnte es dort entsprechend dreckig werden.
Ich finde die Trage trotzdem entspannter – zumindest solange Emil noch mitmacht. Wir müssen uns keine Gedanken über den Untergrund machen und er kann vorne sitzen und die Welt beobachten.
Am Ende ist das Große Torfmoor für uns deshalb nicht nur eine schöne Wanderung, sondern auch ein kleiner Testlauf.
Nicht jede Minute mit Baby muss entspannt sein, damit ein Ausflug am Ende trotzdem gut wird.
Und manchmal braucht es eben gar keine spektakuläre Aussicht. Ein paar Holzbohlen, dunkles Wasser, rostfarbene Pflanzen und ein grauer Himmel reichen völlig aus, um sich für ein paar Stunden ziemlich weit weg zu fühlen.