
Komm, wir wandern bei Toulon hoch zum Cap Gros
Du willst bei Toulon kurz raus und was erleben? Wir gehen früh los zum Cap Gros und merken nach einem Kilometer: loses Geröll, steil, kein echter Weg. Oben lohnt der Blick, unten lernen wir was fürs nächste Mal. Im Text steht, welche Route du besser lässt und wo’s entspannter geht.








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Das war dumm, fahrlässig und gefährlich. Also richtig gut.
Unter Freunden beginne ich manchmal ein paar Wanderstories mit genau diesen Worten. Und dieses Mal steckt da mehr Wahrheit drin, als mir lieb ist.
Wir sind im Frankreich Urlaub mit Laura, Niko, Eleni, Stella, Emil und mir. Der Traditionswille sagt: mindestens einmal im Jahr gemeinsam wandern. Dieses Mal gehen nur Niko und ich los.
Die Idee entsteht schon in Deutschland. Sehr naiv denke ich, dass die Steigung nicht so schlimm wird. Ich rechne nicht damit, dass bei dieser Passage nur loses Geröll liegt. Wir wollen uns fordern und am Ende eine Geschichte haben. Am heimischen Esszimmertisch wirkt das bei einem Bierchen deutlich angenehmer als in echt.
Früher Start, leichte Stimmung, falsche Annahmen
Wir stehen morgens um 06:00 auf, packen Snacks und Frühstück in den Rucksack, füllen die Wasserschläuche und fahren los. Der Startpunkt liegt hier: 43.1558170196362, 5.8974633951286535.
Wir parken an der Straße. Wanderparkplätze sind nicht ausgeschildert und Parken ist eher Glückssache. Wir ergattern gerade noch einen Platz und laufen los Richtung Cap Gros.
Es ist früh, die Sonne geht gerade auf und alles fühlt sich noch freundlich an. Wir sehen schon von unten eine Schotterpiste am Berg und fragen uns, ob die Route ernsthaft darüber führt. Wir gehen davon aus, dass das nicht sein kann. Und gleichzeitig wissen wir beide, dass es genau so kommt.
Die Geröllpassage, die uns den Tag erklärt
Am Anfang läuft es noch entspannt. Dünne Pfade durchs Dickicht, Sonnenstrahlen durch die Bäume, hinten die Küste, die sich für Fotos richtig schön staffelt. Es wird langsam warm, aber um diese Uhrzeit liegt noch viel Schatten auf der Strecke.
Nach etwa einem Kilometer beginnt die Passage, die den Rest des Tages dominiert. Steigung in Kombination mit losem Geröll, kaum Möglichkeiten sich festzuhalten, kein erkennbarer Weg außer „nach oben“. Jeder Tritt löst kleine Rutscher aus, Steine wandern talwärts, und unsere Schritte werden automatisch vorsichtiger.
Ich merke schnell, dass mir nicht ganz wohl ist. Niko wirkt deutlich entspannter. Wir gehen weiter, dann kriechen wir eher, als dass wir wandern. An einer Stelle kann ich mental und körperlich keinen Schritt mehr machen und bitte Niko umzudrehen. Ich weiß in dem Moment, dass der Weg runter wahrscheinlich noch gefährlicher ist als weiter nach oben.
Es dauert ein paar Minuten, dann überredet Niko mich weiterzumachen. Kurz darauf löst sich bei einem meiner Schritte ein kleiner Fels und trifft Niko ordentlich am Schienbein. Es wird geflucht, ich entschuldige mich, später machen wir auch Witze darüber. In dem Moment ist es einfach nur ein klares Zeichen, wie wenig Kontrolle man auf diesem Untergrund hat.
Für diese Passage brauchen wir rund 90 Minuten. Sie hat ungefähr 1,5 Kilometer Länge und frisst etwa 400 Höhenmeter. Wenn wir länger gebraucht hätten, wäre die Sonne ohne Schatten irgendwann zusätzlich zum Problem geworden. Stöcke helfen uns für den Tritt, aber sie machen den Untergrund nicht stabil.
Zwischendurch schimmert irgendwo im Geröll eine Rettungsdecke. Ich weiß nicht, was dort passiert ist, aber es reicht, um kurz zu schlucken. Das ist der Moment, in dem „wir wollen eine Geschichte haben“ plötzlich nicht mehr cool klingt.
Cap Gros, Toulon und dieses Layering im Morgenlicht

Und dann ist es plötzlich vorbei. Die Strapazen sind nicht weg, aber sie stehen für einen Moment nicht mehr im Vordergrund.
Wir stehen oben auf dem Gipfel des Cap Gros. Geradeaus liegt Toulon unter uns, dahinter der Hafen und das Meer. Links sehen wir den Mont Faron und alles, was dazwischen liegt. Im Morgenlicht hängt noch Staub und Nebel in der Luft und in den Tälern. Dadurch entsteht ein Layering, das man kaum greifen kann. Jede Ausbuchtung der Berge zeichnet sich ab, Schicht für Schicht.
Wir setzen uns erst einmal hin. Frühstück schmeckt selten so verdient. Wir essen ein Brötchen und weil Urlaub ist, spülen wir das mit einem Craftbeer aus Deutschland runter. Wir machen ein paar Selfies, filmen den steinigen Weg und witzeln darüber, dass 50 Prozent Steigung doch gar nicht so schlimm sein dürften. Gleichzeitig ist es eine klare Lehre: Wir wollen nie in die Situation kommen, dass wir gerettet werden müssen.
Dass wir für den Aufstieg rund zwei Stunden brauchen, wirkt später fast absurd. Auf die gesamte Tour gesehen ist das noch nicht einmal der große Teil.
Der Rest der Runde, Ruine, Steine und Wasser in Le Broussan
Ab dem Gipfel wird es deutlich gemütlicher. Der Weg verläuft am Rand des Gebirges und bietet immer wieder Stellen, an denen man sich hinsetzen und die Aussicht genießen kann. Ab hier fordert die Strecke vor allem mit Länge und Sonne. Und auch die sollte man nicht unterschätzen, selbst wenn der Empfang durchgehend gut ist und man nicht weit von der Stadt entfernt wirkt.
Nach ein paar Kilometern kommen wir an einer alten Ruine vorbei. Die Wände sind teilweise eingerissen, und das Bauwerk erinnert mich an das Gerippe eines Tieres. Beeindruckend, aber auch so, dass man automatisch fragt, was hier oben mal war.
Wir gehen weiter über das Capeu Gros und biegen irgendwann landeinwärts ein. Auf dem Weg liegen große Steinbrocken, man muss ständig aufpassen, wo man hintritt, sonst knickt man um. Dafür gibt es immer wieder neue Perspektiven, mal Richtung Toulon, mal auf kleine Bergdörfer.
Später führt uns der Weg durch ein Flussbett ins kleine Dörfchen Le Broussan. Dort füllen wir unsere Wasserschläuche auf. Das ist auch der Punkt, an dem wir nur noch zurück wollen, ins Auto, zur Ferienwohnung, am besten direkt in den Pool. Wir folgen der Straße und den Wegen daneben. Wir haben genug gesehen und wollen wieder sitzen.
Die letzten Serpentinen ziehen sich. Die letzten 200 Meter fühlen sich plötzlich länger an als alles davor. Als wir am Auto ankommen, sind wir ehrlich überglücklich.
Was wir daraus lernen und wie wir es heute empfehlen
Würden wir die Tour so empfehlen? Auf keinen Fall. Die Passage am Anfang ist gefährlich. Steil, loses Geröll, kaum Halt, und Steinschlag ist schnell selbst gemacht. Wir haben wahrscheinlich mehr Glück als Verstand, dass nichts Ernstes passiert.
Wenn man die Aussicht vom Cap Gros mitnehmen will, würde ich heute einen anderen Weg wählen. Statt über diese Geröllpassage zu gehen, lässt sich die Region deutlich entspannter erleben, zum Beispiel mit einem Start in La Broussan. Dort findet man eher Parkmöglichkeiten und kann eine einfache Hin und Zurück Tour laufen, ohne ständig das Gefühl zu haben, dass das die letzte Wanderung ist, die man unternimmt.
Egal welche Variante man nimmt: Wasser ist Pflicht. Bei uns sind pro Person mehrere Liter dabei, konkret 2,5 Liter im Schlauch. Stöcke helfen beim sicheren Tritt, und ein früher Start nimmt viel Druck aus der Hitze. Und wenn man irgendwo merkt, dass es nicht passt, dann ist Umkehren keine Schwäche, sondern genau die Entscheidung, die man später gerne noch erzählen kann.